Impuls zum Jahreswechsel - 31.12.2023
Schrifttexte: Num 6,22-27 - Gal 4,4-7 - Lk 2,16-21
„Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ (Paulus zu Weihnachten in Gal 4,4)
Obwohl die Zeit definitiv immer gleich verrinnt, fühlt sie sich in diesen Tagen „zwischen den Jahren“ tatsächlich langsamer an. Das schenkt mir vielleicht die Zeit, ein bisschen darüber zu reflektieren, warum das ansonsten ganz anders ist. Meistens ist sie mehr an-gefüllt als er-füllt und gefühlt bleibt nie etwas übrig, im Gegenteil: Die Zeit scheint selten zu reichen. Vielleicht liegt es daran, dass „Zeit“ für uns gleichbedeutend geworden ist mit „Geld“. Deswegen reden wir auch so gern vom Sparen oder Vergeuden, vom Gewinnen oder Verlieren einer bestimmten Zeit. Als Michael Ende vor genau 50 Jahren seinen Märchen-Roman „Momo“ über den Zauber der Zeit veröffentlichte, fühlte sich die Zeit noch ganz anders an. Trotzdem hat er mit weiser Voraussicht viel von dem beschrieben, was uns in der heutigen Zeit zum Verhängnis zu werden scheint. Als Momo den Ursprung der Zeit erreicht, steht es vor einem Teich, an dem jede Stunde eine wunderschöne Blüte aufsteigt und im langsamen Verwelken einer noch schöneren Platz macht. Vieler solcher Zeitmomente wünsche ich uns für die 8784 Stunden, die im neuen Jahr vor uns liegen.
Vikar Thomas Wollbeck
Siehe auch GL 816 (WÜ)_Meine Zeit steht in deinen Händen ...